Raimund Deininger und Regula Stämpfli über Boomer, The Codes, Ukraine-Krieg, Kunst & unverständliche Aktionen ehemaliger Linker.

Raimund Deininger und Regula Stämpfli über offenen Brief, Boomer, The Codes, Ukraine-Krieg, Kunst & unverständliche Aktionen ehemaliger Linker.

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Sona MacDonald & Regula Stämpfli im Gespräch: Rechnitz oder der Würgeengel von Elfride Jelinek

Sona MacDonald & Regula Stämpfli im Gespräch: Rechnitz oder der Würgeengel von Elfriede Jelinek im Josefstadt-Theater.

Zwei Jahre wurde die grandiose Inszenierung von Elfriede Jelineks „Rechnitz – der Würgeengel“ im Josefstadt-Theater in Wien pandemiebedingt verschoben. 2008 meinte Jelinek zum Stück, das die Ermordungs-Geschichte des „Lager Wald“ für Zwangsarbeitende erzählt: „Ein Schloss in Österreich. Jagdtrophäen an den Wänden. Boten und Botinnen kommen von überall her, zum Teil in desolater Abendkleidung, zum Teil als Fahrradkuriere gekleidet, sie laufen herein, in immer kürzeren Abständen, bis irgendwann einmal der Raum gedrängt voll ist. (…) man kann das natürlich, wie immer bei mir, auch vollkommen anders machen.“

Es wurde alles anders gemacht. Zum Glück. Das Wiener Josefstadt-Theater rief die Frauen. Anna Bergmann, die Regisseurin, Katharina Faltner, die Bühnenbildnerin, und die unhaltbar famose Best-Schauspielerin Sona Mac Donald machten aus dem Würgeengel von Jelinek Zeitgeschichte. Zwei Stunden ununterbrochen im Kugelschloss, Mörder schießen, bald zu Ermordende schaufeln riesige Gräben. Sprache, Lieder, Inszenierung, die unheimliche Präsenz der Gräfin und der die Toten besingenden Sona MacDonald bringen die Zuschauenden an den Rand einer unvergesslichen und bodenlosen Erschütterung. Ein ewiges Mitgefühl, das sich bei mir in haltloses Schreien hätte, seine Bahn brechen wollen, doch aus Gründen der gesellschaftlichen Normalität in ein, hinter der Maske stilles, aber noch über Stunden anhaltendes Schluchzen, münden musste.

Die Geschichte ist wahrlich furchtbar. 1945 werden in Rechnitz Menschen zwecks Unterhaltung der Naziparty-Gäste wie gejagt und erschossen. Es gibt jemanden, der erzählt. Die Botin, die brutal gute Elfriede Schüsseleder, verweigert sich aber jeglicher moralischer Haltung, sie ist „unzuständig in Moralfragen“ und recht eigentlich zum Kotzen. Sie ist die neue Sorte Mensch, die alles kommentiert, selber aber durch nichts lädiert wird. Sie erledigt im Handstreich über 200 Jahre Aufklärung. Allein Sona MacDonalds zauberhafte Stimme tröstet mit dem Geisterrezitativ aus Der Freischütz.

Die Täter sind die ewigen Mitmacher, deren böse Geister überall präsent bleiben – Untote, wie sie durch alle Jelinek-Texte spuken. Täter, die mir erst kürzlich in einer Vorstandssitzung wieder begegnet sind: Diese kläglichen Männlein und dieses Weiblein, das nicht selber denkt, sondern der Macht wie die Kultur der Suppe folgt. Doch die Toten geben eben keine Ruh, die Jelinek, die hört mit ihren Suaden nicht auf und dies ist auch richtig so.

Die MörderInnen von Rechnitz wurden nie bestraft. Das Wissen darum macht sprachlos; deshalb braucht es diese tosend stille Sprech- und Singpräsenz von Sona MacDonald. In der Nähe des Rechnitzer „Kreuzstadls“ wurden in den Märztagen 1945, kurz vor dem Einmarsch der Russen, über 200 jüdische Zwangsarbeiter, menschliche Sklavinnen und Sklaven gezwungen, eine fürchterlich tiefe Gruppe auszuheben. Die lokalen NS-Bonzen feierten bei der Gräfin Margrit Batthyány, und sie erschossen über 180 der jüdischen Menschen in einer Art Treibjagd, das Loch wurde zugescharrt, die Gräfin entkam in die Schweiz, wo sie fürstlich weiterlebte. Eine Thyssen, die Unternehmensfamilie, die sich von allen Nazigräueltaten weißgewaschen hat – der Bruder stiftete in Madrid eine unglaubliche Kunstsammlung, man ist schließlich kultiviert, Sascha Batthyány „Und was hat das alles mit mir zu tun?“ der Großneffe, der die Geschichte recherchiert. Er macht dies, weil Maxim Biller nachfragt. Doch trotz aller Recherchen: Die Ermordeten bleiben unauffindbar. Im Theater Josefstadt gräbt Sona MacDonald die Steine aus und singt zum Schluss ein Kaddisch, das das Herz zerreißt.

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Cindy Sherman: „Untitled #216“, 1989, fotografiert von laStaempfli

Raimund Deininger & Regula Stämpfli on Cindy Sherman, Feminismus, Pornografie, Menschenbild: Sprechen&Denken für artisapieceofcake.

Raimund Deininger & Regula Stämpfli on Cindy Sherman, Feminismus, Pornografie, Menschenbild: Sprechen&Denken für artisapieceofcake.Sie ist in so viele verschiedene Rollen geschlüpft, dass niemand sagen kann, wer Cindy Sherman WIRKLICH sein will, ausser, dass es sich immer um die FRAU als ANDERE handelt. Raimund Deininger und Regula Stämpfli über die grosse Künstlerin Cindy Sherman, die unzählige Künstlerinnen und Künstler inspiriert. „Ich mag über eine bestimmte Geschichte oder Situation nachdenken, aber ich bin nicht diese Person, auch wenn ich in der Arbeit vorkomme.“ „Untitled #216“ , entstanden zwischen 1989 und 1990, porträrtiert Geschichte in einer Serie von 35 Kompositionen, die zu Klassikerinnen der zeitgenössischen Kunst gehören. Cindy Shermans Körper rekonstruiert die Alten Meister. Sie malst, fotografiert, collagiert denkend sprechend.Eine Bildikone des 15. Jahrhunderts, Jean Fouquets Madonna von Melun, die die Gesichtszüge von Agnès Sorel, der Mätresse König Karls VII. tragen soll, diente ihr in „Untitled #216“: Sie ist die Madonna für alle Menschen vor allem in einem Zeitgeist, der Frauen mehr und mehr unsichtbar machen will. Die „Virgo lactans“ – die Jungfrau als nährende Mutter, bei Cindy Sherman vollbusig erotisch, grossartig. Hier fotografiert von laStaempfli.Raimund Deininger und Regula Stämpfli nähern sich Cindy Sherman in einem Gespräch zur Kunstgeschichte, der Unsichtbarkeit der Frauen, der patriarchalen Strukturen der Kunst, dem Kunstmarkt und den grossen aktuellen Künstlerinnen unserer Zeit. Wie immer: Sehr authentisch sprechendes Denken der zwei Menschen, die sich im Berufsleben und als Menschen daran erinnern: Kunst verändert aller Leben.

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regula stämpfli in wien

laStaempflis Polit-Kulturjahr 2021. Teil II.

laStaempflis Polit-Kulturjahr 2021. Teil II.Die Politphilosophin Regula Stämpfli im Rückblick auf das Jahr 2021 für den ENSUITE-BLOG. Dies hat Tradition, wirft immer hohe Wellen und diesmal sogar vertont. Wer die Bilder nachgucken will, sei auf die laStaempfli Fotos auf der Webseite verwiesen: https://www.ensuite.ch/lastaempflis-polit-kultjahr-2021/ Hier vertont Regula Stämpfli Teil 2, die Monate Juli bis Dezember 2021. Wer die Bilder Original nachgucken will, sei auf die Webseite von ensuite verwiesen.

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Regula Stämpfli unter Heidi Bucher im Haus der Kunst

laStaempflis Polit-Kultjahr 2021: TEIL 1.

Die Politphilosophin Regula Stämpfli im Rückblick auf das Jahr 2021 für den ENSUITE-BLOG. Dies hat Tradition, wirft immer hohe Wellen und diesmal sogar vertont. Wer die Bilder nachgucken will, sei auf die laStaempfli Fotos auf der Webseite verwiesen: https://www.ensuite.ch/lastaempflis-polit-kultjahr-2021/ Hier vertont Regula Stämpfli die Monate von Januar bis Juni.

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Elisabeth Eberle im Gespräch mit Regula Stämpfli: Naturwissenschaft in der Kunst, die Künstlerin als Denkerin. Von Grenzen & Freiheiten.

Elisabeth Eberle im Gespräch mit Regula Stämpfli: Naturwissenschaft in der Kunst, die Künstlerin als Denkerin: Von Grenzen & Freiheiten.Elisabeth Eberle ist die Künstlerin der Grenzbeschreitung und der Grenzüberschreitung. Sie ist grandiose Poetin mit naturwissenschaftlichen Hintergrund, sie geht an die Welt und stellt die entscheidenden Fragen nach Kultur und Natur: Wo ist Natur, wie lässt sie sich auflösen, verändern, überführen, verführen?

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